Semaglutid verbessert Steatohepatitis und reduziert Fibrose bei MASH-Patienten
Semaglutid, ein GLP-1 Rezeptoragonist, ist für die Behandlung von Typ-2-Diabetes und Übergewicht/Adipositas zugelassen. Studien zeigen, dass Semaglutid die Rückbildung einer Steatohepatitis und eine Verringerung des Fibrosestadiums induzieren kann, daher ist es ein Kandidat für die Behandlung der metabolischen Dysfunktion-assoziierten Steatohepatitis (MASH). Sanyal et al. untersuchten die Wirksamkeit von Semaglutid bei MASH-Patienten mit Fibrose.
Bei Patienten mit MASH und moderater bis fortgeschrittener Leberfibrose verbesserte 1 x wöchentlich 2,4 mg Semaglutid die histologischen Leberbefunde. Internationale Wissenschaftler führten die noch aktuell laufende placebokontrollierte Phase-3-Studie an 253 klinischen Standorten in 37 Ländern durch. Die Ärzte schlossen Erwachsene ≥ 18 Jahre mit histologisch nachgewiesener Steatohepatitis und Leberfibrose im Stadium 2 oder 3 gemäß der Klassifikation des Nonalcoholic Steatohepatitis Clinical Research Network (NASH CRN) und einem Nonalcoholic Fatty Liver Disease Activity Score (NAS) von 4 oder mehr in die Studie ein. Patienten mit anderen chronischen Lebererkrankungen, einem hohen Alkoholkonsum, hohen Aspartat-Aminotransferase (AST)- oder Alanin-Aminotransferase (ALT)-Spiegeln, einer Niereninsuffizienz, einem glykierten Hämoglobinspiegel > 9,5 %, einer Pankreatitis oder unpassender Medikation schlossen die Experten von einer Teilnahme aus.
Die Wissenschaftler randomisierten die Patienten stratifiziert nach Vorliegen von Typ-2-Diabetes und Fibrosestadium 2:1 in 2 Gruppen; eine Gruppe erhielt 1x wöchentlich subkutan Semaglutid in einer Dosis von 2,4 mg, die andere Gruppe erhielt ein Placebo. Die Anfangsdosis von Semaglutid betrug 0,25 mg 1 x wöchentlich und wurde alle 4 Wochen auf 0,5 mg, 1,0 mg, 1,7 mg und 2,4 mg 1x wöchentlich erhöht, bis nach der 16-wöchigen Dosissteigerungsphase die Zieldosis von 2,4 mg erreicht war. Die Ärzte entnahmen 2 Leberbiopsien, eine während der Screeningphase und eine weitere in Woche 72 nach Studienstart. Die histologischen Leberpräparate bewerteten die Experten hinsichtlich des Fibrosestadiums und dem NAS-Score. Die primären Endpunkte waren eine Rückbildung der Steatohepatitis ohne Verschlechterung der Leberfibrose und eine Verringerung der Leberfibrose ohne Verschlechterung der Steatohepatitis. Die Resultate einer Zwischenanalyse stellen die Forscher im Folgenden vor.
Die Resultate der ersten 800 Patienten, darunter 534 Patienten der Semaglutid- und 266 der Placebogruppe, zeigen signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen für beide primären Endpunkte. Eine Remission der Steatohepatitis ohne Verschlechterung der Leberfibrose nach 72 Wochen trat bei 62,9 % der Patienten in der Semaglutid-Gruppe und bei 34,3 % der Patienten in der Placebo-Gruppe auf. Eine Verringerung der Leberfibrose ohne Verschlechterung der Steatohepatitis beobachteten die Forscher bei 36,8 % der Patienten in der Semaglutid-Gruppe und bei 22,4 % der Placebo-Gruppe. Sowohl eine Remission der Steatohepatitis als auch eine Verringerung der Fibrose traten bei 32,7 % in der Semaglutid-Gruppe und bei 16,1 % in der Placebo-Gruppe auf. Patienten unter Semaglutid hatten nach 72 Wochen 10,5 % ihres Körpergewichts verloren, Patienten der Placebogruppe nur 2,0 %. Auch die Ergebnisse weiterer Untersuchungen, etwa der Enhanced Liver Fibrosis (ELF)-Scores, die Lebersteifigkeit, der FibroScan-AST (FAST)-Score und biochemische Marker verbesserten sich unter Semaglutid. Der Prozentsatz der Patienten, die die Ansprechkriterien für eine Abnahme der Lebersteifigkeit um ≥ 30 % erfüllten, betrug 52,0 % unter Semaglutid und 30,3 % unter Placebo. Der Anteil der Patienten, bei denen unerwünschte Ereignisse (AE) auftraten, betrug 86,3 % unter Semaglutid und 79,7 % unter Placebo. Die häufigsten AE waren gastrointestinale Störungen in beiden Gruppen. Übelkeit, Durchfall, Verstopfung und Erbrechen traten in der Semaglutid-Gruppe häufiger auf.
Fazit:
Die Zwischenanalyse zeigt, dass MASH-Patienten mit einer wöchentlichen Semaglutid-Dosis von 2,4 mg signifikante gesundheitliche Verbesserungen erzielten. Die Forscher fanden Hinweise auf die Überlegenheit von Semaglutid gegenüber Placebo hinsichtlich der histologischen Verringerung von Steatohepatitis und Fibrose. Die Patienten in der Semaglutid-Gruppe zeigten auch einen größeren Gewichtsverlust.
Quelle:
Autorin Studienreferat: Dr. Maddalena Angela Di Lellis, Tübingen